Der Theologe deutet seine Zeit mit den Worten der Schrift. Er stellt sich damit in die Tradition der Schrift. Denn auch die biblischen Schriftsteller deuten ihre Zeit in den Bildern ihrer Zeit und mit den Worten ihrer Vorgänger. Jeder biblische Satz verweist auf einen anderen. Jedes Wort ruft einen anderen Kontext hervor. Noch der kleinste Buchstabe hat Bedeutung und steht unter göttlichem Schutz.
Im Buch Exodus heißt es: »Er stieg herab und redete.« – Nach einer rabbinischen Deutung war die Offenbarung mit »Er stieg herab« beendet. Mit »und redete« begann die Interpretation. Daher braucht es Deutung; Deutung, die aber nie Definition ist. Denn die begriffliche Wahrheit selbst ist nicht sicher. Sie ist eingewoben in ein Netz von Verweisen, um sie den Fanatikern zu entziehen.
Wenn das Wort nach christlichem Glauben Fleisch geworden ist, dann ist es ja dadurch nicht leichter verständlich geworden. Das Geheimnis wird größer, je näher es uns kommt.
Österliche Bußzeit 2026
Woche 1
Lesung vom 23.2.2026
»Ich bin der HERR«
Levitikus 19 ist ein Text, der das alltägliche Zusammenleben regelt. Umso erstaunlicher, dass fast jedes Gebot mit der Begründung »Ich bin der HERR« beglaubigt wird. Es geht um die Frage, wer der Souverän einer menschlichen Gesellschaft ist.