Fastenpredigten

Der Theologe deutet seine Zeit mit den Worten der Schrift. Er stellt sich damit in die Tradition der Schrift. Denn auch die biblischen Schriftsteller deuten ihre Zeit in den Bildern ihrer Zeit und mit den Worten ihrer Vorgänger. Jeder biblische Satz verweist auf einen anderen. Jedes Wort ruft einen anderen Kontext hervor. Noch der kleinste Buchstabe hat Bedeutung und steht unter göttlichem Schutz.

Im Buch Exodus heißt es: »Er stieg herab und redete.« – Nach einer rabbinischen Deutung war die Offenbarung mit »Er stieg herab« beendet. Mit »und redete« begann die Interpretation. Daher braucht es Deutung; Deutung, die aber nie Definition ist. Denn die begriffliche Wahrheit selbst ist nicht sicher. Sie ist eingewoben in ein Netz von Verweisen, um sie den Fanatikern zu entziehen.

Wenn das Wort nach christlichem Glauben Fleisch geworden ist, dann ist es ja dadurch nicht leichter verständlich geworden. Das Geheimnis wird größer, je näher es uns kommt.


Österliche Bußzeit 2026

Lesung vom 15.3.2026

Anders sehen

David ist der erste König eines geeinten Israels. Die Geschichte seiner Suche ist eine Kritik des menschlichen Sehens. Nicht nur schärft das Buch Samuel die Bedeutung des Hörens ein, es verlangt auch einen anderen Blick auf die Welt.

Evangelium vom 10.3.2026

Schuld und Schulden

In Matthäus 6 fragt Petrus, wie oft er seinem Bruder vergeben müsse. Jesus antwortet ihm mit einem Gleichnis, in dem der König einem Diener Schulden in Milliardenhöhe erlässt. – Das zeigt die Dramatik der Erwartungshaltung. Es geht nicht nur um die andere Wange, es geht um richtig viel.

Evangelium vom 2.3.2026

Der vermeintliche Tauschhandel

Lukas 6 ist eine Ausdeutung der Gebote aus Leviticus 19. »Seid barmherzig, wie euer Vater barmherzig ist«, ruft Jesus uns zu. Dabei irritiert, dass er einen Tauschhandel vorzuschlagen scheint: Tut jetzt auf Erden Gutes, damit euer himmlischer Lohn groß sein wird. – Meint der Herr das wirklich ernst?

Lesung vom 23.2.2026

»Ich bin der HERR«

Levitikus 19 ist ein Text, der das alltägliche Zusammenleben regelt. Umso erstaunlicher, dass fast jedes Gebot mit der Begründung »Ich bin der HERR« beglaubigt wird. Es geht um die Frage, wer der Souverän einer menschlichen Gesellschaft ist.