Autor, Philosoph, Theologe

Kategorie: Vorträge

  • Der Eine für den Anderen

    Der Eine für den Anderen

    … und der Zukunft zugewandt – Die Moderne als Fortschrittsgesellschaft

    »Die Sorge aber möge es besitzen…« – Angst als Bedingung unserer Freiheit?

    »Es geht voran« – Das Streben nach Wohlstand und die Verdrängung der Angst

    Wir nennen es zwar Wachstum, aber eigentlich handelt es sich um eine Beschleunigung. Mehr Autos in weniger Zeit verkaufen, das bedeutet, schneller werden. Wenn das Bruttoinlandsprodukt wächst, dann produzieren und konsumieren wir mehr in kürzerer Zeit.

    Der Soziologe Hartmut Rosa beschreibt jene Beschleunigung als das übergreifende Phänomen der Moderne. Technik, Wirtschaft, Kultur, Gesellschaft – überall werden die Interaktionen schneller. »Geschichte wird gemacht, es geht voran.«

    Diese Beschleunigung wurde lange Zeit vom modernen Menschen als eine Verheißung wahrgenommen, weil man meinte, so in ein begrenztes Leben mehr Inhalt hineinzufüllen. Der Angst vor dem Tod begegnen wird mit einer Beschleunigung der Lebenszusammenhänge.

    Wo alles immer schneller wird, da wird aber die Zeit knapp. Das ist gut für das ökonomische Paradigma. Denn Ökonomie ist die Wissenschaft, von der effzienten Verteilung knapper Ressourcen. Und der Markt ist die Dezentralisierung und Beschleunigung von Entscheidungen. Wir sehen daher in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine bemerkenswerte Durchdringung der Gesellschaft von ökonomischem Denken und ökonomischen Organisationsprinzipien. Anders hätten wir mit dem Zeitdruck nicht standgehalten.

    »Bowling alone« – Die Kehrseite des Wohlstandsstrebens

    Diese Beschleunigung hat eine Kehrseite. Der amerikanische Soziologe Robert D. Putnam wies 1995 in seinem Artikel Bowling Alone auf einen interessanten Effekt hin: Während Ende des 20. Jahrhunderts mehr Amerikaner als je zuvor bowlten und die Zahl der Bowler zwischen 1980 und 1993 um 10 % stieg, sei das Spielen im Verein um 40 % zurückgegangen.

    Ähnliches gilt für Deutschland: Parteien, Gewerkschaften und Kirchen verlieren Mitglieder. Die Sportvereine gewinnen zwar insgesamt Mitglieder, aber in der Statistik des Deutschen Olympischen Sportbunds zeigt sich ein interessanter Effekt: In der Altersgruppe der 27-40-Jährigen fällt die Mitgliederzahl um rund 30% gegenüber dem Jahr 2000. Das wird wettgemacht durch einen deutlichen Anstieg bei den Menschen ab 60.

    Warum haben die Menschen weniger Zeit? – 

    Die Wege zur Arbeit sind weiter geworden: Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten stieg von 2000 bis 2018 um 4,75 Millionen, die Zahl der Pendler stieg um 4,35 Millionen. – Fast jeder zusätzliche Arbeitnehmer fährt. 

    Der Alltag ist komplizierter geworden: Ständig müssen wir Entscheidungen treffen, die bis Mitte der 1990er Jahre niemand treffen musste: Welches Telefon und welchen Tarif wollen wir haben? Welchen Strom- und Gasvertrag? Welches Streaming-Abo? Welche Krankenkasse, Riesterrente, Zahnzusatzversicherung?

    Zudem ist Wohlstand anstrengend: Wer größere Wohnungen hat, muss mehr putzen, wer öfter in Urlaub fährt mehr planen, und auch der während Corona angeschaffte Gasgrill verlangt Aufmerksamkeit.

    Hinzu kommt, dass der Effekt des Fortschritts auf die private Zeit der Menschen sich verändert hat: Waschmaschine, Trockner und Spülmaschine schufen freie Zeit im Haushalt. Das Auto beschleunigte den Weg zur Arbeit. Das Telefon erleichterte Absprachen in Familie und Freundeskreis. – Heute verdienen die größten Unternehmen ihr Geld mit der Verwertung unserer Freizeit: Wachstum kommt aus dem Abonnement von Unterhaltungsdiensten, digitalen Spielen oder dem Konsum von Werbung.

    Im Ergebnis haben wir weniger Zeit für die Verpflichtungen in Kirche, Partei oder Verein und ersetzen sie durch kommerzielle Angebote. Der deutsche Soziologe Niklas Luhmann beschrieb den Wandel der modernen Gesellschaft bereits im Jahr 1988 folgendermaßen:

    »Man gibt nicht in Ausführung einer sozialen Verpflichtung zur Reziprozität, man hilft nicht als Nachbar, man arbeitet nicht in der frommen Gesinnung, dadurch dem Willen Gottes zu dienen. Man lässt sich bezahlen.«[6]

    Man muss nicht mehr Mitglied in einem Verein sein und Arbeitsstunden leisten, um Sport machen zu können. Man muss nicht Mitglied einer Kirche sein und Riten und Gebete lernen, um Besinnung und Seelsorge zu finden. Man muss nicht Mitglied einer Gewerkschaft oder Genossenschaft sein, um im Fall von Krankheit oder Arbeitslosigkeit abgesichert zu sein. – Man geht ins Fitnessstudio, zum Psychotherapeuten und schließt eine Versicherung ab. Und man bezahlt.

    Wo Marx durch die Bourgeoisie nur die Feudalbande zwischen Vorgesetztem und Arbeiter zerissen sah, sind in unserer heutigen Gesellschaft die meisten anderen Verbindungen zumindest angerissen.

    Die Gesellschaft wird dadurch zu einem Ort der Tauschbeziehungen, die über den einzelnen Tausch hinaus nicht gebraucht werden. Das tragende Gefüge der zwischenmenschlichen Beziehungen wird schwächer. Für die Starken mag das ein Zugewinn an Freiheit sein, doch die Schwachen erleben es als Ohnmacht. 

    Der Rückhalt der Gesellschaft fehlt. Darum werden Sorgen heute intensiver erlebt.

    »Stark wie der Tod« – Zukunft als Ereignis der Begegnung des Anderen

    Bevor wir anders handeln, müsten wir zunächst einmal anders denken. Solange wir die Zukunft als etwas Machbares begreifen und die Beziehung zum anderen Menschen als eine transaktionale Tauschbeziehung, so lange werden wir gesellschaftliche Strukturen ausbilden wie diejenigen, die wir heute haben.

    Doch eine Zukunft, die auf meinen Plänen beruht, kann nie über mich selbst hinausführen. In einer solchen Zukunft bleibe ich immer alleine, weil ich sie plane und ich an ihrer Umsetzung arbeite. 

    Der französische Philosoph Jacques Derrida hat daher die Zukunft als ein aus nichts Gegenwärtigem ableitbares Geschehen beschrieben. Echte Zukunft, Zukunft, die ich nicht machen kann, wäre ein Ereignis, ein événement – ein Hervorkommnis. Sie lässt sich nicht planen, und man kann sich nicht auf sie vorbereiten. Sie wäre eine echte Innovation, eine Disruption und eine Transformation.

    Das sind alles Begriffe, die wir aus dem Business- und Politik-Sprech unserer Tage kennen. Dort aber überhöhen sie das Ausmaß einer gesellschaftlichen Veränderung, die nur die Verlängerung der Gegenwart mit anderen Mitteln ist, und schaffen Erwartungen, die niemand einzulösen vermag.

    Wenn wir aber Zukunft als das ganz Andere verstehen wollen, wenn wir sie als etwas verstehen wollen, was aus unserer Gegenwart nicht ableitbar ist, dann müssen wir die Interpretation der Einsamkeit als Motor der Freiheit und die Vorstellung des Todes als Bedingung der Freiheit des Daseins aufgeben.

    Das Subjekt ist nicht der einsame Held, der sich von der Welt freimacht und für sich eine Zukunft entwirft. Das Subjekt ist in der Welt einer Passivität und Anderheit ausgesetzt, der es strukturell nicht Herr wird. Das zeigt sich vor allem angesichts des Todes. Der französische Philosoph Emmanuel Levinas hält gegen Heidegger fest, dass der Tod kein Moment der Freiheit ist, sondern eine Offenbarung der fundamentalen Ohnmacht des Subjekts: 

    »Das Objekt, dem ich begegne, wird begriffen, und, kurz gesagt, durch mich konstruiert, während der Tod ein Ereignis ankündigt, dessen das Subjekt nicht Herr ist, ein Ereignis, in bezug auf welches das Subjekt nicht mehr Subjekt ist.«[7]

    Der Tod bedeutet das Ende meiner Zukunft, nicht deren Bedingung. Die Zukunft, das ist nicht die Verlängerung meiner Möglichkeiten aus der Gegenwart, das ist das ganz andere, was auf mich zukommt, das ich im Unterschied zur Welt des täglichen Besorgens nicht begreife und mir nicht unterwerfen kann. Und dieses ganz andere macht Angst, aber Angst, die nicht befreit.

    Wie begegnet man dieser Angst? – Levinas sieht weder den Ausweg, den Heidegger vorschlägt, noch den, dem sich unsere Gesellschaft verschrieben hat. Der Angst des Daseins begegnet man weder mit einer Münchhausen-gleichen Geste der Selbstermächtigung, noch mit einer Flucht in die alltägliche Anonymität.

    Die Angst vor dem Anderen in Form des mich vernichtenden Todes oder in Form einer anonymen Welt, in der ich einsam bin, – diese Angst vor dem Anderen – kann mir nur ein Anderer nehmen, der mich in der Begegnung mit ihm nicht vernichtet, sondern mich aus meiner Einsamkeit und Zwangsläufigkeit befreit. Die Angst nehmen und damit Zukunft geben kann nur jemand, der mit mir in eine konkrete Beziehung eintritt und mich über mich selbst hinausführt, mich letztlich von mir selbst befreit.

    Dieser Andere dürfte aber nicht Teil eines Systems sein, in dem er nur eine Funktion für mich hat und in dieser Funktion austauschbar ist. Die Verkäuferin, der Pfleger, die Abteilungsleiterin, der Coach, der Finanzbeamte – sie alle haben eine berechenbare Funktion für mich, sie sind für mich nützlich, nicht anders.

    Zukunft käme mir nur von einem anderen her zu, der für mich zu nichts nutze ist, den ich nicht brauche, der mir begegnet als Ereignis, der mich anspricht, ohne dass ich es mir ausgesucht hätte oder mich wehren könnte.

    Nach Levinas eröffent sich im Verhältnis zum anderen Menschen die Möglichkeit für das Subjekt, eine Beziehung zur Zukunft zu unterhalten, die es nicht vernichtet, sondern die es über sich selbst hinausführt. Die Zeit, das ist ist für ihn nicht das Ergebnis meines Denkens oder meines Selbstetnwurfs. Die Zeit entstammt dem Verhältnis zum anderen Menschen. 

    Die Zukunft ist das, was mir vom anderen geschenkt wird, nicht das, was ich machen kann oder machen muss. Menschliche Beziehung kostet in diesem Verständnis nicht Zeit, sie stiftet erst die Zeit. Sie stiftet Zeit, die Bedeutsamkeit hat, über meinen Tod hinaus.

    Solche Zeit lässt sich nciht optimieren. Die gemeinsame Zeit mit denen, die uns lieb sind, steht nicht in unserer Macht. Sie lässt sich nicht verlustfrei verkürzen, sondern ist wertvoll in ihrer Dauer. In der liebenden Nähe zum anderen versagt die Effizienz. Der Begriff der Quality Time ist eine Lüge oder bestenfalls ein Irrtum.

    »Die Würdigkeit, glücklich zu sein« – Verantwortung als Kern des Subjekts

    Es gibt bei Immanuel Kant einen interessanten Gedanken. Wir sind nicht frei, weil wir tun können, was wir wollen. Auch ein Tier kann tun, was es will.

    Freiheit bedeutet nicht: Tun können, was man will. Sondern: Nicht tun müssen, was man will. Freiheit ist die Möglichkeit, gegen meinen Willen und gemäß meiner Vernunft zu handeln.

    Wir wissen um diese radikale Freiheit, weil wir in unserer Vernunft ein Gesetz entdecken, das im Kern unseres Denkens unseren Willen stört und uns auf den Anderen ausrichtet. Dieses Gesetzt ist der kategorische Imperativ: 

    »Handle so, dass du die Menschheit sowohl in deiner Person, als in der Person eines jeden anderen jederzeit zugleich als Zweck, niemals bloß als Mittel brauchst.«

    Wir entdecken unsere Freiheit nicht in der Angst, sondern in der Verwiesenheit auf den Anderen, in der Verantwortung für den anderen Menschen.

    Wenn aber die Freiheit mit Kant das Ergebnis einer Verwiesenheit auf den anderen ist und die Zukunft mit Levinas das Ergebnis der Begegnung mit dem anderen, dann gerät die Selbstverständlichkeit des modernen Subjekts ins Wanken. 

    Es kann seine Freiheit, die sich in seiner Zukunftsfähigkeit äußert, nicht mehr aus sich selbst heraus begründen, sondern es entdeckt im Kern seiner eigenen Subjektivität eine Verwiesenheit auf den anderen als Bedingung seiner eigenen Existenz.

    Es gibt zwei mögliche Ausprägungen dieses Verhältnisses zum anderen Menschen: eine auf mich und meinen Nutzen orientierte Beziehung und eine Beziehung der Verantwortung für den anderen. Levinas schlägt ein Gedankenexperiment vor: Wenn es nur den anderen und mich gäbe, und wir kämen in eine Situation, in der nur einer überleben könnte und das Überleben des anderen läge ich meiner Hand, so käme ich aus der Situation nicht lebendig und unschuldig zugleich heraus.

    Es gibt einen Unterschied zwischen einer ökonomischen Beziehung, die sich in der Optimierung meines Nutzens erfüllt und in der ich alleine bleibe, und einem ethischen Verhältnis, in dem die bloße Existenz des anderen mir sagt: Töte mich nicht.

    Ich habe die Wahl zwischen der Ökonomie als Leitperspektive oder der Ethik als erster Philosophie, wie Levinas das nennt.

    Wenn ich den anderen in seiner Sterblichkeit nicht alleine lassen will, dann wird die Verantwortung für den anderen zur Bedingung meiner Existenz. Verantwortung ist die Bedingung dafür, dass es Gesellschaft geben kann. Aus dieser Veratwortung erwächst meinem Leben eine Bedeutung über meine eigenen Existenz hinaus, und daraus erwächst mir und uns eine Zukunft. Meine Existenz rechtfertigt sich nicht aus meinen Plänen, sondern aus meiner Verantwortung für den anderen. In dieser Verantwortung bin ich unersetzlich.

    Im Alltag gibt es diese Zweier-Situation nicht. Wir haben viele Verantwortlichkeiten. Wir müssen abwägen und rechnen. Das ist der Platz der Ökonomie. Aber abgeleitet aus einer Grundsituation, in der es nicht um meinen Nutzen geht.

    Ausgerechnet in der Finanzindustrie und bei McKinsey gibt es ein Motto, das diese Haltung in die Geschäftswelt zu übersetzen scheint. Es lautet: »Client first, firm second, me third.« – Das haben die Berater nicht erfunden. Auch die Navy Seals kennen die Losung »Mission first, Team second, me third.« Daraus spricht die tiefe Erfahrung, dass es in diesem Leben nicht zuerst um mich geht.

    Was bedeutet das nun für die Zukunft? 

    Verantwortung für den anderen, das ist Verantwortung für die Zukunft. Darauf verzichten, der Zeitgenosse seines Erfolges zu sein. So formulierte Levinas einmal und verwies auf den Propheten Mose, der – obwohl er wusste, dass er selbst wegen des Glaubensabfalls der Israeliten nicht ins verheißene Land einziehen würde – dennoch das Volk auf seinem Weg durch die Wüste anführte. Er starb, und das Volk durfte das Land besiedeln.

    Wenn mir die Zukunft vom anderen her zukommt, dann kann ein Arbeiten für die Zukunft nur in einer Verantwortung für den anderen geschehen, die darauf verzichtet, heute für mich einen Nutzen zu suchen.

    Dieses Denken und diese Haltung widersprechen aller ökonomischen Logik, die wir so kennen, individuell und institutionell: Wenn der Einzelne nach Zukunft fragt, fragt er nach seinen Karrierechancen. Wenn Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft nach Zukunft fragen, dann fragen sie nach Wirksamkeit. – Es könnte sein, dass just dieses Denken am wirksamsten die Zukunft verhindert. 

    Erlauben Sie mir eine persönliche Bemerkung als Vater von drei Kindern: Wie gering muss eine Gesellschaft von sich denken, dass man meint, sie von der Bildung ihrer Kinder mit dem Argument überzeugen zu müssen, das würde sich rentieren?

    »Hier, sieh mich!« – Vom Hören und Dienen

    Wenn wir vom Menschen nicht gering, sondern groß denken wollen, dann hilft uns das Erbe der religiösen Traditionen. Der Martinsempfang erinnert an jenen Heiligen, von dem die Legende erzählt, er habe seinen Mantel mit dem Schwert geteilt, um einen nackten Bettler zu kleiden. Im Traum sei ihm anschließend der Herr erschienen, bekleidet mit der Hälfte des Mantels. 

    Das spielt auf die Bergpredigt an, in der Jesus über die Endzeit und den Grund für die Erlösung der Gerechten spricht: 

    »Denn ich war hungrig und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war durstig und ihr habt mir zu trinken gegeben; ich war fremd und obdachlos und ihr habt mich aufgenommen; ich war nackt und ihr habt mir Kleidung gegeben; ich war krank und ihr habt mich besucht; ich war im Gefängnis und ihr seid zu mir gekommen.« (Mt 25, 35f)

    Die Gerechten wundern sich und fragen zurück, wann sie denn jemals den Herrn hungrig oder durstig oder nackt gesehen hätten und ihm zu Hilfe gekommen seien. Da antwortet Jesus: 

    »Amen, ich sage euch: Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.« (Mt 25,40)

    Im Buch Levitikus lesen wir: 

    »Der Fremde, der sich bei euch aufhält, soll euch wie ein Einheimischer gelten und du sollst ihn lieben wie dich selbst; denn ihr seid selbst Fremde in Ägypten gewesen. Ich bin der Herr, euer Gott.« (Lev 19,34)

    Die religiösen Traditionen des Christentums, des Judentums und auch des Islams, die sich alle aus der jüdischen Überlieferung, wie sie sich in der hebräischen Bibel und auch im Talmud niedergeschlagen hat, speisen, kennen nicht nur diesen Vorrang der Benachteiligten, er ist der Kern ihrer Botschaft. Doch nicht nur ihrer Botschaft.

    Das ist der Urspung des kategorischen Imperativs. – Der Kern der menschlichen Existenz ist die Berufung für den Dienst am anderen, die Berufung für die Zukunft.

    Dafür muss man nicht glauben. Also nicht im klassischen Sinne. – Man müsste dafür aber hören und bereit sein zu antworten, was vielleicht schon glauben heißt.

    Das wiederum könnte man von jenen lernen, von denen die religiösen Traditionen sprechen. In der hebräischen Bibel ist die klassische Antwort der Propheten auf den Ruf Gottes das Wort Hinneni. – »Hier bin ich« oder auch »Hier, sieh mich«.

    Darin finden wir das Ich nicht wie in der Tradition der Moderne in einer Position der Stärke und Freiheit, sondern im Akkusativ. Es ist das zweite i in Hinneni, der letzte Buchstabe im Wort, das hebräische Jota, der kleinste Buchstabe des hebräischen Alphabets. Das Ich kommt zu sich, wenn der andere es ruft. Es kommt zu sich im Bewusstsein, antworten zu müssen. Und dieser Ruf des anderen eröffnet Zukunft. – Ob der andere Gott ist oder ein nackter Bettler, wer weiß das schon…


    [1] Vgl.: Gesundheitsberichterstattung des Robert-Koch-Instituts für 2023.

    [2] Zitiert nach Martin Heidegger. Sein und Zeit, §42, S. 198.

    [3] Heidegger. Sein und Zeit §41, S. 192.

    [4] Heidegger. Sein und Zeit, §40, S. 188.

    [5] Becker, The Economic Way of Looking at Life, Nobel Lecture.

    [6] Luhmann, Niklas. Die Wirtschaft der Gesellschaft. 8. Auflage. Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft 1152. Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag, 2019, 240f.

    [7] Emmanuel Levinas, Die Zeit und der Andere, 43.

  • Jenseits des Nutzens

    Jenseits des Nutzens

    »Guten Abend«

    Die Grenzen der ökonomischen Vernunft

    Anders denken

    »Nach Ihnen«


    [1] https://www.faz.net/aktuell/rhein-main/frankfurt/freundlichkeit-im-alltag-warum-nettsein-das-leben-besser-macht-accg-110735826.html

    [2] Luhmann, Niklas. Die Wirtschaft der Gesellschaft. 8. Auflage. Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft 1152. Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag, 2019, 240f.

    [3] Adorno, Theodor W., und Max Horkheimer. Dialektik der Aufklärung: philosophische Fragmente. S.Fischer, 2002, 31.

    [4] Kant, Kritik der reinen Vernunft A806/B834

    [5] Kant, Kritik der praktischen Vernunft, I.I.1, §§3-8

  • Warum die Wirtschaft (wieder) nicht helfen wird. – Gedanken zum schwierigen Verhältnis von Ökonomie und Demokratie

    Warum die Wirtschaft (wieder) nicht helfen wird. – Gedanken zum schwierigen Verhältnis von Ökonomie und Demokratie

    Einführung

    Der Zweifel der Ökonomen an der Demokratie

    Historische Indizien

    Wenn die Wirtschaft nun nicht hilft, wer dann?


    [1] Vgl.: Smith, Der Wohlstand der Nationen, V.1.2, S. 600ff.

    [2] F. Guizot, ‘Discours sur la réforme du système électoral’, Le Moniteur Universel, 16 February 1842, pp. 321–2. — Zitiert nach: Krahé, „Changing Accounts of the Relationship Between Capitalism and Democracy: From Incompatibility to Partnership, and Back?“, 165f.

    [3] Vgl.: Krahé, Max. ‘Changing Accounts of the Relationship Between Capitalism and Democracy: From Incompatibility to Partnership, and Back?’ History of Political Thought Volume 43, Number 1 (February 2022): 161–98, 172-73.

    [4] Friedman, Milton, und Rose D. Friedman. Capitalism and Freedom. 40th Anniversary Edition. University of Chicago Press, 2002, 10.

    [5] Vgl.: Hayek, Friedrich A. von. Social Justice, Socialism & Democracy: Three Australian Lectures. Turramurra, N.S.W.: Centre for Independent Studies, 1979, 39. Vgl. auch: Hayek, Friedrich A. von. The Road to Serfdom. Repr. Routledge Classics. London: Routledge, 2006, Kap. 5.

    [6] Fukuyama, Francis. ‘The End of History?’ The National Interest, no. 16 (1989): 3–18, 8.

    [7] Fukuyama, 18.

    [8] Zitiert nach: Wengst, Udo. ‘Der Reichsverband Der Deutschen Industrie in Den Ersten Monaten Des Dritten Reiches. Ein Beitrag Zum Verhältnis von Großindustrie Und Nationalsozialismus’. Vierteljahrshefte Für Zeitgeschichte, no. 28 (1980): 94–110, 98.

    [9] Vgl.: https://www.munichre.com/de/unternehmen/ueber-munich-re/konzerngeschichte/zaesur-2-muenchener-rueck-in-der-ns-zeit-1933-bis-1945.html (abgerufen am 8.8.2023)

    [10] Vgl.: Sannwald, Wolfgang. NS-Getreue in der Provinz: Gomaringen zwischen Weimar und Bonn und SS-General Gottlob Berger. Gomaringer Heimatbuch, Band 3. Gomaringen: Gomaringer Verlag, 2021. Vgl. auch: http://www.informationsmittel-fuer-bibliotheken.de/showfile.php?id=11424;

    [11] Luhmann, Niklas. Die Wirtschaft der Gesellschaft. 8. Auflage. Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft 1152. Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag, 2019, 240f.

    [12] Luhmann, Niklas. ‘Die Zukunft der Demokratie’. In Soziologische Aufklärung. 4: Beiträge zur funktionalen Differenzierung der Gesellschaft, 2. Aufl., 126–32. Opladen: Westdt. Verl, 1994, 127.

  • Von Eigentum und Bürokratie. – Philosophische Gedanken zu den Grundlagen und Grenzen unserer (liberalen) Gesellschaftsordnung

    Von Eigentum und Bürokratie. – Philosophische Gedanken zu den Grundlagen und Grenzen unserer (liberalen) Gesellschaftsordnung

    „Der erste, der ein Stück Land umzäunte, auf die Idee kam zu sagen: ‚Das gehört mir‘, und Leute fand, einfältig genug, es ihm zu glauben, der war der wahre Begründer der bürgerlichen Gesellschaft.“[1]

    So spottete der Aufklärer Jean-Jacques Rousseau im Jahre 1755. Nun wissen wir heute, 270 Jahre später und hier, auf dem Sächsischen Rohstofftag, dass es mit dem Umzäunen des Landes nicht unbedingt getan ist.

    Das Siliziumdioxid, das Sie umzäunt haben, ist zwar anschließend Ihr Eigentum; das Eisenoxid aber nicht. Das ist in Deutschland nach dem Bergrecht herrenlos und damit zunächst einmal niemandes Eigentum. Sie können daran Eigentumsrechte auf Antrag erwerben, aber diese Rechte beziehen sich dann nur auf das Eisenoxid, nicht auf das Land darüber oder darunter. In den USA ist das anders. Da gehört Ihnen als Grundstückseigentümer das Eisenoxid, aber für Sand und Kies müssen Sie beim Innenministerium nachfragen. In Frankreich hingegen gehört Ihnen beides. — Willkommen in der Bürokratie!

    Die Polemik von Rousseau erinnert uns daran: Eigentumsfragen sind Abgrenzungsfragen. Eigentum zwingt uns dazu, Dinge zu unterscheiden. Grenzen zu ziehen. Zäune zu bauen. Eigentum zwingt uns dazu, Regeln aufzustellen und uns auf diese Regeln zu einigen. Und je komplizierter die Eigentumsverhältnisse einer Gesellschaft werden, umso komplizierter werden die Regeln, mit denen man sie zu ordnen versucht.  Doch der Reihe nach.

    Eigentum ist die Grundlage der freien Gesellschaft

    Was ist eigentlich Eigentum? – Der sächsische Philosoph, Johann Gottlieb Fichte, 1762 in Rammenau, also knapp 50 km von hier, geboren, definierte den Eigentumsbegriff als ein Handlungsrecht: Das Recht auf Eigentum an einem Ding ist das Recht „der Unterwerfung desselben unter unsere Zwecke“ (GNR, SW III, 117).

    Dieses Recht ist für Fichte ein Ur-Recht, weil es für ihn die Voraussetzung für die Freiheit des Menschen war. Nur wenn ich meinen Körper besitzen kann (und niemand anders) und nur wenn ich die Welt um mich herum (zumindest kurzzeitig) in Besitz nehmen kann, kann ich handeln. Und nur wenn ich handeln kann, verwirkliche ich meine Freiheit.

    Freilich ist dieses Ur-Recht schon bei Fichte dadurch praktisch eingeschränkt, dass es neben mir noch andere Menschen gibt, denen dieselben Urrechte zukommen und die mit ihren Urrechten potenziell und tatsächlich in Konflikt mit mir stehen. Denn immer wenn ich etwas meinen Zwecken unterwerfe, enthalte ich es ja anderen vor, die es für ihre Zwecke gebrauchen wollen.

    Das bringt philosophisch gesehen die Frage auf: Wie begründe ich konkretes Eigentum? Warum gehört etwas Ihnen? Oder Ihnen? Oder mir? – 

    Und hier gibt es im Wesentlichen zwei philosophische Perspektiven, die ich der Einfachheit halber einmal als die katholische und protestantische Form der Eigentumsbegründung bezeichnen will.

    Die „katholische“ Perspektive

    Es sind die Werke, die gerecht machen. Man kann und man muss für seine Erlösung arbeiten. – Eigentum ist also das Ergebnis meiner Arbeit und meiner Anstrengung. Dieser Gedanke hat eine lange Tradition: Platon, Aristoteles, die mittelalterliche Theologie.

    Selbst noch John Stuart Mill, auf den die moderne Volkswirtschaftslehre zurückgeht, begründete das Eigentum an den Früchten mit der Arbeit des Bauern. Das Aufheben von auf dem Boden liegenden Früchten reicht für Mill, um einen Eigentumsanspruch zu begründen.

    Nur so lässt sich auch Marx‘ These der Enteignung des Arbeiters verstehen. 

    Dieser Eigentumsbegriff prägt den Gedanken der Meritokratie bei den französischen Revolutionären und findet Eingang in die Sozialenzyklika der katholischen Kirche Rerum novarum im Jahr 1891. 

    Und auch in den jüngsten Diskussionen um das Bürgergeld finden wir eben jenen Gedanken wieder: „Leistung muss sich lohnen“; „Wer arbeitet, muss mehr haben als der, der nicht arbeitet.“ – Oder nochmal im Original beim Apostel Paulus, der freilich im politischen Diskurs nicht wörtlich zitiert wird: „Wer nicht arbeiten will, soll auch nicht essen.“ (2 Thess 3,10). Kurz: Eigentum entsteht durch Arbeit.

    Die „protestantische“ Perspektive

    Sola gratia: Die Erlösung ist reine Gnade, man kann sie sich nicht erarbeiten. Eigentum ist in dieser Lesart Gnade, Geschenk oder Zufall; und es wird vertraglich geregelt. Sola scriptura. 

    Religiös gesprochen stammt es ursprünglich aus einem Bund / einem Vertrag mit Gott, in dem Eigentumsrechte festgelegt waren. Philosophisch gesprochen wird es durch die Fiktion eines Gesellschaftsvertrags begründet.

     Wem dieser Vertrag nicht passe, der könne – so John Locke – ja nach Amerika in den Naturzustand auswandern. Eigentum entsteht nicht durch Arbeit, sondern schlicht durch Inbesitznahme und anschließende Verteidigung gegen den anderen „soweit die Kanonen reichen“[2], wie Immanuel Kant sagt.

    Eigentum ist in dieser Perspektive ein schlichter Vertrag, der Zugriffsverhältnisse und damit Machtverhältnisse regelt. Eigentum ist das, was wir als solches definieren. Kein moralischer Anspruch.

    Eigentum als Garant von Liberalität und Pluralität

    Diese Tradition und Fichtes Freiheitslehre wirken fort in der liberalen Ökonomie. Hayek und Friedman begreifen Privateigentum als Voraussetzung von Freiheit. Es brauche keiner anderen Begründung. Das müsse ausreichen, um jeden Eingriff abzuwehren. Hayek wandte sich explizit gegen die Idee, Eigentum müsse man sich verdienen und auch gegen die Idee, das demjenigen mehr zustehe, der härter arbeite. Er war der Meinung, es sei ökonomisch doch besser, mit wenig Einsatz viel Ergebnis zu erzielen.

    Hinter der Verteidigung des Privateigentums steht der Wunsch nach einer freien, aber auch einer pluralen Gesellschaft, in der Minderheitenrechte weder durch Staatsentscheidungen noch durch Mehrheitsentscheidungen beschnitten werden können. — Da sind Liberale und Linke übrigens überraschend einig. Lassen Sie mich zwei prominente Vertreter kurz zitieren.

     Hayek: 

    „Allein aus dem Grunde, weil die Herrschaft über die Produktionsmittel sich auf viele Menschen verteilt, die unabhängig voneinander handeln, sind wir niemandem ausgeliefert, so dass wir als Individuen entscheiden können, was wir tun und lassen wollen.“[3]

    Karl Marx scheint das genaue Gegenteil zu Hayeks These zu sagen:

    „Die Bourgeoisie „hat die Bevölkerung agglomeriert, die Produktionsmittel zentralisiert und das Eigentum in wenigen Händen konzentriert. Die notwendige Folge hiervon war die politische Zentralisation.“[4]

    Marx beklagt die Konzentration des Eigentums in den Händen einiger weniger. Er sah darin eine „monopolisierbare gesellschaftliche Macht“[5]. Er teilt nicht Hayeks Diagnose, dass die Produktionsmittel auf viele Personen verteilt sind und diese unabhängig voneinander handeln.

    Doch Marx‘ Motiv ist nicht primär die Abschaffung des Privateigentums, ihm geht es um eine Begrenzung der Machtkonzentration. Also genau um dasselbe, das Hayek auch im Kopf hat. 

    Wir könnten also drei konsensfähige Kriterien zwischen Linken und Liberalen ableiten, die Eigentum als Instrument für eine freie Gesellschaft erfüllen muss:

    • Es erlaubt mir, frei ohne Zwang in der Gesellschaft zu handeln. 
    • Es ist auf viele Einzelne verteilt. 
    • Und deshalb gewährleistet es eine Pluralität der Zielfunktionen und eine plurale Gesellschaft.

    Die Weiterentwicklung des Eigentumsbegriffs

    Bislang haben wir so getan, als wüssten wir, wovon wir sprechen, wenn wir von Eigentum sprechen. Was mir gehört, damit darf ich im Rahmen der Gesetze machen, was ich will; und niemand anders darf damit etwas anstellen, was ich nicht will. Ich bin für mein Eigentum verantwortlich. Wenn ich es schlecht behandle, verliert es an Wert. Wenn es anderen Schaden zufügt, muss ich ihn beheben.

    Doch Eigentum ist vielfältig, und große Teile unseres heutigen Eigentums funktionieren nicht mehr so, wie wir Eigentum immer noch verstehen. Denn zur gleichen Zeit, als die Philosophie diskutierte, was Eigentum sei und was Eigentum begründen könne, schuf die Wirtschaft eine neue Art von Eigentum.

    Im 17. Jahrhundert begann der Ostindienhandel im großen Stil. Die niederländischen Kaufleute sahen sich vor einem gewaltigen Investitionsbedarf für die Schiffe bei einem gleichzeitig sehr hohen Risiko. Denn nicht wenige Schiffe kamen nicht zurück. Ähnliches galt ein wenig zeitversetzt für den Bergbau. Die beginnende Industrialisierung brauchte große Mengen an Kohle und Erzen. Das war mit dem Einzelunternehmer nicht mehr zu machen.

    Daher entwickelt sich in dieser Zeit der Eigentumsbegriff weiter: Mit drei Besonderheiten, die ihn vom Eigentumsbegriff der Philosophen, der unser Denken bis heute prägt, unterscheidet.

    • Die Eigentümer teilten (und diversifizierten) ihr Risiko in großem Stil: Das einzelne Schiff war nicht mehr einzelnen Kaufleuten zuzuordnen, sondern nur noch der Ostindien-Gesellschaft als Ganzer. Die individuelle Verantwortung war verschwunden.
    • Die Verantwortung wurde nicht nur geteilt, sondern auch reduziert: Die Eigentümer hafteten nur noch mit ihrer Einlage. Schon ab 1553 war in England die Gründung einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung möglich, die Kosten waren jedoch zunächst so prohibitiv hoch, dass tatsächlich nur hochriskante Unternehmungen wie der Ostindienhandel oder solche mit hohem Kapitalbedarf wie der Ausbau der Eisenbahnen und auch der Bergbau diese Rechtsform wählten. Im Standortwettbewerb um Investitionen brachen aber Mitte des 19. Jahrhunderts die Dämme, und die Rechtsform der Limited Company wurde zunächst in England 1855, dann in Frankreich 1863 mit der Société à responsabilité limitée und schließlich im Deutschen Reich 1892 mit der GmbH, der Gesellschaft mit beschränkter Haftung, eingeführt. Und heute ist der Kaufmann, der mit seinem privaten Vermögen haftet, die anekdotische Ausnahme.
    • Eigentum wurde liquide und handelbar: Die Dutch East India Company gilt als das erste börsengehandelte Unternehmen der Welt.  Das unternehmerische Risiko aus Produktion und Absatz wurde in einen Vertrag gegossen, in das Finanzsystem überführt und dort bewirtschaftbar gemacht. Man musste nicht mehr abwarten, ob die Geschäftsidee wirklich Früchte trägt; es reichte aus, jemand anderen zu finden, der das glaubte, um seine Idee zu Geld zu machen.

    Aus dem Eigentümer und Unternehmer war ein Investor geworden.

    Bürokratie als Konsequenz

    Aber als Investor wollen Sie wissen, was mit Ihrem Geld geschieht. Sie fordern also ein Reporting ein. Die ersten Kennzahlensysteme gehen zurück auf den Bau der Eisenbahnen in den Vereinigten Staaten. Die Investoren an der Ostküste verlangten regelmäßige Berichte über den Baufortschritt im Mittleren Westen und später über die Transportleistung der Eisenbahnen.

    Das komplexe Verhältnis von Management und Investoren führt Anfang des 20. Jahrhunderts zu großen Debatten, wem das Management gegenüber verantwortlich sein sollte und nach welchen Größen es zu steuern sei. Die Investoren hatten Sorge um ihr Geld und drangen auf gesetzliche Regelungen. 

    Und auch die seit einigen Wochen in der Kritik stehende Richtlinie der EU zum Sustainability-Reporting kam auf den Druck der Finanzindustrie und der Investoren zustande. Sie wollten für ihre Investitionsentscheidung wissen, wie einzelne Unternehmen im ökologischen und sozialen Bereich aufgestellt sind. 

    Denn auch das Investieren macht ja kaum einer noch selbst. Wir haben es an Unternehmen und deren Manager abgegeben. Da diese mit fremdem Geld handeln, brauchen sie Vorgaben. Denn der Manager muss wissen, was er tun soll. Und es gibt viele Interessen zu berücksichtigen: diejenigen der Investoren der Fondsanteile, diejenigen der Investoren der Fondsgesellschaft, diejenigen der Kreditgeber des Fonds und der Fondsgesellschaft. Etc. – Und für alles gibt es Ausschüsse, Gremien, Delegationsvereinbarungen, Berater.  –  Es geht dort nicht viel anders zu als in der öffentlichen Verwaltung. 

    Und hier wie da schauen die Beteiligten zur Absicherung gerne auf geschriebene Regeln. Das sind unsere Zäune. Und wo es diese nicht gibt, da spricht man dann von einer Regelungslücke. Aber nicht nur die Politik. So hat die DIHK in ihrer Stellungnahme zum Critical Raw Materials Act eingeworfen, „dass es wichtig sei, nicht nur die für Zukunftstechnologien notwendigen Rohstoffe zu beachten, sondern auch ‚Standardrohstoffe‘ mit einer breiten wirtschaftlichen Bedeutung“.

    Für den deutschen Soziologen Max Weber sicherte die Bürokratie schon vor 100 Jahren die „Präzision, Stetigkeit, Disziplin, Straffheit und Verläßlichkeit, also: Berechenbarkeit für den Herren wie für die Interessenten“. – Sie war ihm die „formal rationalste Form der Herrschaftsausübung.“[6] Die Alternative dazu sei nur das Dilettantentum. 

    Wir alle profitieren von Bürokratie. Auch (und gerade) die Wirtschaft. Dass wir in Europa einheitliche Messgrößen, eine gemeinsame Spurbreite für die Eisenbahn und dieselbe Netzfrequenz für Strom haben, verdanken wir bürokratischen Vorschriften und Verfahren. Dass wir in einer ausdifferenzierten, freien und pluralen Gesellschaft leben, verdanken wir nicht zuletzt der Bürokratie.

    Denn zu Beginn unserer Rechtstradition waren die Regeln noch unbürokratisch. Es waren vielfach einfach strukturierte Verbotstafeln: Du sollst nicht töten. Du sollst nicht stehlen. Du sollst nicht ehebrechen. – Sie fordern einen absoluten Schutz. Sobald der moderne liberale Staat um der Freiheit und der Pluralität willen differenziert, schafft er das, was wir Bürokratie nennen. Töten darf man nicht, aber im Fall der Notwehr und der Nothilfe gibt es Ausnahmen – bei der Tötung auf Verlangen diskutieren wir noch. Stehlen darf man nicht, aber was Eigentum ist und wie man es erwirbt, füllt Gesetzesbücher. Beim Ehebrechen mischt sich der Staat nicht mehr ein, doch was eine Ehe ist und wie sie zu schließen und zu scheiden wäre, folgt klaren Regeln. Die Regeln wägen die Freiheitsrechte des Einen gegen die Schutzbedürfnisse des anderen ab. Wer nicht der Willkür des Einzelnen – im Positiven wie im Negativen – ausgeliefert sein will, der setzt auf feste Regeln.

    Die merkwürdige Dialektik des Eigentums

    Bürokratie als Konsequenz von Eigentum ohne Risiko

    Die Bürokratie, die wir alle gerne beklagen, ist nur ein Symptom. Sie ist eine Konsequenz aus der Art und Weise, wie wir heute unser Miteinander organisieren, nämlich als große GmbH; als Société anonyme à responsabilité limitée wie diese Rechtsform im Französischen noch treffender heißt: als anonyme Gesellschaft mit beschränkter Haftung.

    Ein großer Teil des Eigentums ist in Lebensversicherungen oder Aktienfonds angelegt. Doch wenn Sie einen synthetischen DAX-ETF besitzen, dann hat man Ihnen zwar die Rendite des deutschen Aktienindex versprochen und diese auch abgesichert, doch das Sicherungsvermögen des Fonds kann aus Wertpapieren aus aller Herren Länder bestehen. 

    Regeln und Bürokratie werden nötig, weil die Einzelnen nicht mehr ihre Interessen im direkten Austausch miteinander aushandeln können, sondern weil unsere Gesellschaft inzwischen durch miteinander verflochtene Kapitalgesellschaften, Körperschaften, Organisationen, Verbände, Vereine und staatliche Institutionen geprägt ist, in denen der Einzelne nicht allein über die Interessen der Gemeinschaft, die er vertritt, entscheiden kann.

    Was also die Grundlage unserer Freiheit ist, das Eigentum, ist auch die Grundlage dessen, was wir tagtäglich als Einschränkung dieser Freiheit wahrnehmen: Komplizierte Vertragsbeziehungen und Regelung von Ansprüchen.

    Eigentum ohne Pluralität

    Doch die neue Art von Eigentum, übt neben den bürokratischen Regeln noch eine andere Art von Zwang aus. Aus dem Abwehrrecht, wie wir Eigentum bislang verstanden hatten, ist nämlich ein Anspruchsrecht geworden: 

    Wenn Ihnen ein Keller voll Vorräten oder ein Maschinenpark gehören, dann haben Sie ein Recht darauf, dass Ihnen niemand etwas davon wegnimmt. Das ist der klassische Eigentumsbegriff. Sie verfügen über einen Gegenstand. Wenn Ihnen aber eine Aktie gehört, dann haben Sie ein Recht darauf, dass Ihnen jemand eine Rendite zahlt.

    Es geht nicht um das Eigentum an den Produktionsmitteln (wie noch bei Marx oder auch bei Hayek), als Aktionär gehören Ihnen nicht die Produktionsmittel. Die gehören dem Unternehmen. Als Aktionär gehören Ihnen die zukünftigen Gewinne. Oder um es noch mehr zuzuspitzen: Ihr Eigentum ist die auf die Gegenwart abdiskontierte Arbeit anderer. 

    Lange Zeit stand das sogenannte Finanzeigentum, wenn nicht im Dienst, so zumindest im Schatten des Realeigentums. Doch das hat sich in den vergangenen 20 Jahren geändert. Das McKinsey Global Institute (MGI) berechnet regelmäßig eine Bilanz der Weltwirtschaft. [7] Darin wird das Verhältnis von physischen Anlagen und realer Wirtschaftstätigkeit ins Verhältnis zu Aktien und anderen Wertpapieren gesetzt:

     Für die USA als größte Volkswirtschaft lässt sich zeigen, dass der Wert von Aktien seit 1995 dreimal so schnell gewachsen ist wie die Gesamtwirtschaft. Der Wert von Geld- und Sparguthaben doppelt so schnell, und der Wert von Krediten und Immobilien immerhin noch um das 1,5-fache. – Wir haben die Bilanz aufgebläht.

    Der Zwangscharakter von Eigentum

    Und hier beginnt das Problem: Die Kredite der Unternehmen und Privathaushalte müssen in der Zukunft zurückgezahlt oder umgeschuldet werden. Dafür müssen die Unternehmen Gewinne machen und die Menschen ordentlich bezahlen. Auch damit Ihre Aktien weiterhin so viel wert sind, wie sie wert sind, damit die Rente, die Sie aus ihrem Versorgungswerk beziehen wollen, die Renditeerwartung erfüllt, damit Ihre Lebensversicherung und Ihr Riesterfonds eine entsprechende Performance aufweisen – für all das muss die Volkswirtschaft mehr Wert schaffen. Und zwar auf katholische Art: arbeiten.

    Um die Vermögenswerte annähernd zu erhalten, bräuchten wir in den kommenden 10 Jahren doppelt so viel Wirtschaftswachstum wie in den vergangenen 10. Also 4% statt 2%. Da das offenbar selbst McKinsey unrealistisch erscheint, weist das MGI einen Kompromiss als präferiertes Szenario aus: 3% Wachstum und eine Inflation, die 1% höher ist als das Zentralbankziel. Die Arbeitenden müssen es also richten, damit die Vermögenswerte der Nicht-Arbeitenden annähernd erhalten bleiben.

    Was wir Finanzeigentum nennen, produziert gesamtgesellschaftlich und individuell eben einen solchen Zwang. Es schafft Freiheit (wenn überhaupt) nur auf Kosten des anderen. Und falls Sie sich diesem Zwang nicht ausgesetzt fühlen, sind Sie entweder Rentier oder Sie schauen Sie morgen mal auf ihr Kennzahlen-Tableau oder in Ihre Zielvereinbarung.

    Das neue Eigentum folgt nicht mehr pluralen Interessen, wie die liberalen Vordenker Hayek und Friedman noch unterstellten. Diese Art von Eigentum hat nur eine einzige Zielfunktion: Rendite. Je nach Risiko und Finanzierungsform eine unterschiedlich hohe, aber das einzige, worauf sich alle Investoren einigen können: Es soll mehr werden.

    Wir folgen alle derselben Logik, die Alfred Rappaport in den 1980er Jahren als maßgebliche Logik für die Privatwirtschaft definiert hatte: die Erhöhung der Rendite des Eigenkapitals oder die Mehrung des Shareholder Value. Wir reden uns dabei ein, es sei Eigentum, und begründen seinen besonderen Schutz darüber, aber letztlich ist es nur eine Finanzierungsform neben vielen anderen, die sich von diesen graduell unterscheidet.

    Als solche Finanzierungsform wird es aber den drei Kriterien, die wir vorhin für die Rolle des Eigentums in einer liberalen Gesellschaft benannt haben, nicht mehr gerecht. Rufen wir sie uns kurz in Erinnerung: 

    • Eigentum erlaubt mir, frei ohne Zwang in der Gesellschaft zu handeln.
    • Es ist auf viele Einzelne verteilt. Und deshalb gewährleistet es 
    • eine Pluralität der Zielfunktionen.

    Heute handelt (1) jemand anders an meiner statt: Institutionelle Investoren, Rating-Agenturen, Manager, Computer. (2) Das Eigentum ist konzentriert auf wenige Akteure. Die Aktien der DAX-Unternehmen gehören nur zu 15 Prozent Einzelaktionären; mehr als 60 Prozent werden von institutionellen Investoren gehalten. Und (3) es folgt der einheitlichen Logik der ständigen Selbstvermehrung. Es gibt keine Pluralität der Ziele.

    Die großen Vermögensunterschiede – über die ich auch noch hätte sprechen können – sind ein soziales Problem, aber nicht per se das Problem der freien Gesellschaft. Das Problem der liberalen Gesellschaft ist die Konzentration des Eigentums und die Tatsache, dass das Eigentum zu großen Teilen – wenn man das so sagen darf – gleichgeschaltet ist. Es ermöglicht keine Pluralität, sondern verhindert sie.

    Ein persönlicher Gedanke zum Schluss

    Ich kann das, was ich Ihnen jetzt sage, nicht mehr herleiten wie die anderen Gedanken. Es scheint mir aber wichtig zu sein, um die ganze Diskussion rund um Eigentum und Bürokratie nochmals besser einordnen zu können: Wir hatten gesagt, dass es in der Gesellschaft darum geht, die Freiheitsinteressen der einen gegen die Schutzinteressen der anderen abzuwägen. Und dass daraus Regeln und Bürokratie entstehen.

    Dass wir so viel davon haben, könnte auch etwas damit zu tun haben, dass wir heute ein Freiheitsverständnis haben, das sich von der Verantwortung für den anderen entkoppelt hat. Wir haben Adam Smiths Warnung, man solle sich nicht auf das Wohlwollen der anderen verlassen, zur Maxime unseres Handelns gemacht, anderen kein Wohlwollen zu zeigen, sondern immer und überall nur unseren eigenen Nutzen zu optimieren. Wir leben in einer ökonomischen Gesellschaft.

    Dabei sind wir eigentlich gar nicht so. Der Mensch ist wohlwollend und großzügig. Er hat die Gabe, sich für seinen Mitmenschen zu opfern. Auch wenn manche Ökonomen uns das einreden wollen: Nächstenliebe ist keine Form von Egoismus, sondern das Gegenteil davon. Der Satz „Unsere Kinder sollen es einmal besser haben“ ist kein ökonomischer Satz.

    Aus der Zeit der französischen Revolution gibt es ein Siegel, das die Losung Liberté – Égalité – Sûreté  – Propriété trägt. Freiheit, Gleichheit, Eigentum. Sie konnte sich nicht durchsetzen. Die Revolutionäre hatten verstanden, dass die Gesellschaft nicht durch Eigentum zusammengehalten wird. Eigentum baut Zäune. 

    „Liberté, Egalité, Fraternité.“ Freiheit – Gleichheit – Brüderlichkeit. – Das steht heute in Frankreich auf fast jedem Rathaus und auf fast jeder Schule.

    Denn unter Geschwistern baut man keine Zäune.


    [1] Jean-Jaques Rousseau. Diskurs über die Ungleichheit. UTB 2008, 173. / Le premier qui, ayant enclos un terrain, s’avisa de dire : Ceci est à moi, et trouva des gens assez simples pour le croire, fut le vrai fondateur de la société civile.

    [2] Kant, Immanuel. Grundlegung der Metaphysik der Sitten. Berlin: Ausgabe der Preußischen Akademie der Wissenschaften, „Metaphysische Anfangsgründe der Rechtslehre“, I §15.

    [3] Hayek, Friedrich A. von. The Road to Serfdom: With the Intellectuals and Socialism. Combined edition, First published. Occasional Paper 136. London: iea, The Institute of Economic Affairs, 2005, Kapitel 8.

    [4] Marx. Manifest der Kommunistischen Partei, Teil I.

    [5] Marx. Manifest der Kommunistischen Partei, Teil II.

    [6] Weber, Max. Wirtschaft und Gesellschaft: Grundriss der verstehenden Soziologie. Tübingen: Mohr Siebeck, 1922, Erster Teil, Kapitel III, §5.

    [7] Vgl.: McKinsey Global Institute. „Global Balance Sheet: The future of wealth and growth hangs in the balance“, Mai 2023. https://www.mckinsey.com/mgi/overview/the-future-of-wealth-and-growth-hangs-in-the-balance#at-a-glance.

  • Eigentum als Bürgerrecht? – Philosophische Perspektiven für eine sich virtualisierende Welt

    Eigentum als Bürgerrecht? – Philosophische Perspektiven für eine sich virtualisierende Welt

    (1) Eigentum bedeutet Freiheit

    (2) Eigentum bestimmt eine Grenze

    (3) Die (gerechte) Verteilung von Eigentum bleibt umstritten

    (4) Moralische Begründungen zur Eigentumsverteilung sind – zumindest aus liberaler Perspektive – schwierig

    (5) Verteiltes Eigentum ist der Garant von Pluralität

    6) Eigentum hat einen doppelten Charakter

    (7) Als Vertragsrecht lässt sich Eigentum virtualisieren

    (8) Die Virtualisierung entfremdet den Eigentümer von seinem Eigentum

    (9) Die Virtualisierung erlaubt eine gnadengleiche Eigentumsmehrung

    (10) Virtuelles Eigentum findet seine Grenze in der Realität

    (11) Virtuelles Eigentum fordert seine Realisierung ein

    (12) Eigentum ist kein Selbstzweck, Freiheit aber auch nicht

    Ein letzter Gedanke


    [1] Der Vortrag wurde für die schriftliche Fassung um Quellenhinweise ergänzt und an einigen Stellen zur leichteren Lesbarkeit angepasst. Weitere Texte des Autors sind zu finden unter www.carstenlotz.de.

    [2] Marx, Karl. Manifest der Kommunistischen Partei. Dietz Verlag, 1974, Teil II.

    [3] Johann Gottlieb Fichte. Grundlage des Naturrechts nach Principien der Wissenschaftslehre, in: ders., Sämtliche Werke, hrsg. von Immanuel Hermann Fichte, Berlin 1971, Bd. 3, § 11, S. 117.

    [4] Jean-Jaques Rousseau. Diskurs über die Ungleichheit. UTB 2008, 173.

    [5] Kant, Immanuel. Grundlegung der Metaphysik der Sitten. Berlin: Ausgabe der Preußischen Akademie der Wissenschaften, „Metaphysische Anfangsgründe der Rechtslehre“, I §15.

    [6] Vgl.: Friedman, Milton, und Rose D. Friedman. Capitalism and Freedom. 40th Anniversary Edition. University of Chicago Press, 1982, Kap. II.

    [7] Hayek, Friedrich A. von. The constitution of liberty: the definitive edition. The collected works of F. A. Hayek, v. 17. Chicago: University of Chicago Press, 2011, Kap. 6.7. Eigene Übersetzung.

    [8] Vgl.: Friedman, Capitalism and Freedom, Kap. X.

    [9] Hayek, Friedrich A. von. The Road to Serfdom: With the Intellectuals and Socialism. Combined edition, First published. Occasional Paper 136. London: iea, The Institute of Economic Affairs, 2005, Kapitel 8.

    [10] Ebenda.

    [11] Marx. Manifest der Kommunistischen Partei, Teil II.

    [12] Fichte, Johann Gottlieb, und Richard Schottky. Rechtslehre: Vorgetragen von Ostern bis Michaelis 1812. Hamburg: Felix Meiner Verlag, 2017, Zweiter Teil, Kap. 3.1.

    [13] Vgl. z.B.: Friedman, Capitalism and Freedom, Kap. X.

    [14] Vgl. z.B. den Klassiker aus dem Jahre 1932: Berle, Adolf A., und Gardiner C. Means. The modern corporation and private property. New Brunswick, N.J., U.S.A: Transaction Publishers, 1991.

    [15] Burnham, James. The managerial revolution: what is happening in the world. London: Putnam and Company, 1942, Kap. 7.

    [16] Burnham. The managerial revolution, Kap. 8.

    [17] Vgl. Friedman, Milton. „A Friedman doctrine‐- The Social Responsibility Of Business Is to Increase Its Profits“. New York Times, 13. September 1970.

    [18] Fisher, Irving. The Theory of Interest: As Determined by Impatience to Spend Income and Opportunity to Invest It. New York, NY : Macmillan, 1930, Kap. IX, §3.

    [19] Vgl. z.B.: Achleitner, Ann-Kristin, Reiner Braun, Nico Engel, Christian Figge, und Florian Tappeiner. „Value Creation Drivers in Private Equity Buyouts: Empirical Evidence from Europe“. The Journal of Private Equity 13, Nr. 2 (2010): 17–27.

    [20] Hayek. The constitution of liberty, Kap. 5.7.

    [21] Vgl.: McKinsey Global Institute. „Global Balance Sheet: The future of wealth and growth hangs in the balance“, Mai 2023.

    [22] https://imaa-institute.org/mergers-and-acquisitions-statistics/

    [23] Hayek. The constitution of liberty, Kap. 1.7.

    [24] Die Möglichkeit der Einflussnahme über die Hauptversammlung bleibt eine Theorie, wo die Mehrheit dieses Kapitals von anderen verwaltet wird. 

    [25] Hayek. The constitution of liberty, Kap. 8.6.

    [26] Hayek, Friedrich A. von. The Road to Serfdom, Kap. 8.

    [27] Hayek. The constitution of liberty, Kap. 5.5.

    [28] Hayek, Friedrich A. von. The Road to Serfdom, Kap. 8.

    [29] Vgl. dazu: https://www.taxjustice.net/cms/upload/pdf/
    The_Price_of_Offshore_Revisited_Presser_120722.pdf

    [30] Vgl.: Crédit Suisse Research Institute, Hrsg. Global Wealth Report 2022.